Warum Aquarell eine geeignete Grundlage für die Farbbeobachtung ist
Die Wahl eines Materials bestimmt auch die Möglichkeiten der Beobachtung
Farben und Pigmente lassen sich in unterschiedlichen Materialien verarbeiten. Jedes Material besitzt dabei eigene Eigenschaften, die beeinflussen, welche Veränderungen während der Herstellung sichtbar werden und welche Beobachtungen sich dokumentieren lassen.
Für das Farbarchiv steht deshalb nicht das Material selbst im Mittelpunkt, sondern die Möglichkeiten, die es für eine kontinuierliche Beobachtung bietet.

Aquarell macht Veränderungen über einen längeren Zeitraum sichtbar
Die Herstellung handgefertigter Aquarellfarben umfasst mehrere aufeinanderfolgende Arbeitsschritte.
Zwischen dem Anmischen der Bindemittel, dem Vermengen mit dem Pigment, dem schichtweisen Abfüllen und der vollständigen Trocknung vergeht ausreichend Zeit, um Veränderungen fortlaufend zu beobachten. Farbeindruck, Oberflächenstruktur, Trocknungsverhalten oder kleine Unterschiede zwischen einzelnen Ansätzen können während dieses Zeitraums wiederholt betrachtet und dokumentiert werden.
Die Herstellung wird dadurch selbst Teil der Farbbeobachtung.

Dasselbe Pigment kann sich unterschiedlich entwickeln
Ein Pigment führt nicht zwangsläufig immer zum gleichen Ergebnis.
Bereits kleine Veränderungen innerhalb der Rezeptur können den späteren Farbeindruck, die Oberflächenstruktur oder das Verhalten während der Trocknung beeinflussen. Dadurch entstehen Unterschiede, obwohl dasselbe Pigment verwendet wird.
Die Beobachtung richtet sich deshalb nicht ausschließlich auf das Pigment, sondern ebenso auf seine Entwicklung innerhalb unterschiedlicher Materialzusammensetzungen.

Kleine Herstellungsserien erleichtern den Vergleich
Handgefertigte Aquarellfarben entstehen in kleinen Mengen.
Dadurch lässt sich jeder Herstellungsschritt einzeln begleiten und mit vorherigen Ansätzen vergleichen. Unterschiede zwischen einzelnen Chargen werden nicht als Störung betrachtet, sondern als zusätzliche Beobachtungsmöglichkeiten innerhalb eines langfristigen Dokumentationsprozesses.
Die geringe Produktionsgröße schafft damit einen Rahmen, in dem Veränderungen leichter wahrgenommen werden können.

Beobachtung endet nicht mit der fertigen Farbe
Nach der vollständigen Trocknung beginnt eine weitere Phase der Dokumentation.
Erst beim Farbauftrag auf Papier wird sichtbar, wie sich unterschiedliche Rezepturen auf den späteren Farbeindruck auswirken. Unterschiede, die während der Herstellung bereits angedeutet wurden, können sich beim Malen bestätigen oder in anderer Form erneut auftreten.
Die Dokumentation umfasst deshalb Herstellung und Anwendung gleichermaßen.

Das Material dient der Beobachtung
Die Wahl des Aquarells folgt keinem Anspruch auf Vollständigkeit oder Überlegenheit gegenüber anderen Malmaterialien.
Entscheidend ist vielmehr, dass sich innerhalb dieses Materials Veränderungen über einen längeren Zeitraum beobachten, vergleichen und dokumentieren lassen. Das Material wird dadurch zum Träger einer kontinuierlichen Farbbeobachtung und bildet die Grundlage für den weiteren Ausbau des Farbarchivs.

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