Warum dauert die Herstellung handgemachter Aquarellfarben länger?
Die Herstellungszeit besteht aus mehr als der eigentlichen Produktion
Wer sich erstmals mit handgemachten Aquarellfarben beschäftigt, stellt oft fest, dass ihre Herstellung deutlich mehr Zeit benötigt als die industriell gefertigter Farben.
Der Grund dafür liegt nicht allein in der Handarbeit.
Bei vielen handgemachten Aquarellfarben entfällt ein großer Teil der Herstellungszeit nicht auf das Mischen der Materialien oder das Befüllen der Näpfchen, sondern auf Naturtrocknung, Materialstabilisierung und die Beobachtung des Trocknungsprozesses.
Die Herstellungsdauer ist daher selbst ein wesentlicher Bestandteil des gesamten Produktionsprozesses.

Naturtrocknung braucht Zeit
Nach dem ersten Befüllen enthalten die Farben noch einen hohen Wasseranteil.
Während das Wasser langsam verdunstet, schrumpft das Volumen der Farbe. Deshalb werden viele handgemachte Aquarellfarben mehrfach nachgefüllt, damit die Näpfchen später möglichst vollständig gefüllt sind.
Auch nach mehreren Füllvorgängen kann sich auf der Oberfläche eine natürliche Wölbung bilden. Dieses Erscheinungsbild entsteht während des natürlichen Trocknungsprozesses und gehört bei vielen handgemachten Farben dazu.
Diese Veränderungen lassen sich nur durch ausreichend Zeit erreichen.

Wasser und Honig verlangsamen den Trocknungsprozess
Für die Herstellung von Aquarellfarben wird Wasser benötigt.
Bei Rezepturen mit Honig wirkt dieser nicht nur als Bestandteil des Materialsystems, sondern besitzt zugleich feuchtigkeitserhaltende Eigenschaften. Dadurch verlängert sich die Trocknungszeit zusätzlich.
Hinzu kommt, dass sich verschiedene Pigmente unterschiedlich verhalten und deshalb auch unterschiedlich schnell trocknen.
Selbst Farben aus derselben Produktionscharge erreichen daher nicht immer gleichzeitig einen stabilen Zustand.

Erst nach vollständiger Stabilisierung beginnt der nächste Schritt
Das Befüllen eines Näpfchens bedeutet noch nicht, dass die Herstellung abgeschlossen ist.
Erst wenn die Farbe ausreichend getrocknet ist und einen stabilen Zustand erreicht hat, kann sie für Verpackung und Verkauf vorbereitet werden.
Würde dieser Schritt zu früh erfolgen, könnte sich das Material durch den weiteren Feuchtigkeitsverlust weiterhin verändern und zusammenziehen.
Das Warten auf einen stabilen Materialzustand gehört deshalb zum regulären Herstellungsprozess.

Keine beschleunigte Trocknung als Teil der Herstellungsweise
Unterschiedliche Hersteller verfolgen unterschiedliche Produktionsmethoden.
Manche Verfahren verkürzen die Trocknungszeit durch technische Hilfsmittel oder andere Beschleunigungsmethoden. Andere Hersteller setzen bewusst auf eine vollständige Naturtrocknung.
VHaquarell verwendet derzeit keine Trocknungsgeräte zur Beschleunigung und setzt auch keine Schnelltrockner ein.
Ziel ist dabei nicht, den Produktionsprozess künstlich zu verlängern, sondern dem Material genügend Zeit zu geben, sich auf natürliche Weise zu stabilisieren.

Materialbeobachtung gehört zur Farbentwicklung
Die Herstellung handgemachter Aquarellfarben endet nicht mit dem Befüllen der Näpfchen.
Während der Trocknung zeigen verschiedene Pigmente unterschiedliche Eigenschaften, etwa beim Schrumpfen, beim Trocknungsverlauf oder bei der Oberflächenbildung.
Diese Veränderungen liefern wichtige Informationen über das Verhalten der Materialien und fließen in die langfristige Dokumentation der Farbentwicklung ein.
Die Materialbeobachtung ist daher kein zusätzlicher Arbeitsschritt, sondern ein fester Bestandteil des Herstellungsprozesses.

Weniger Zusatzstoffe erleichtern langfristige Beobachtungen
Je mehr funktionelle Zusatzstoffe einem Materialsystem hinzugefügt werden, desto stärker beeinflussen sie das Verhalten der einzelnen Bestandteile.
Für langfristige Materialbeobachtungen bedeutet dies, dass zusätzliche Variablen den direkten Vergleich verschiedener Pigmente erschweren können.
Ein möglichst überschaubares Materialsystem erleichtert es deshalb, Unterschiede zwischen einzelnen Pigmenten unter vergleichbaren Bedingungen langfristig zu dokumentieren.

Der aktuelle Herstellungsansatz von VHaquarell
VHaquarell betrachtet Naturtrocknung, mehrmaliges Nachfüllen, Materialstabilisierung und langfristige Materialbeobachtung als Bestandteile des Herstellungsprozesses.
Je nach Pigmenteigenschaften durchlaufen einzelne Farben unterschiedliche Trocknungszeiten und werden erst nach ausreichender Stabilisierung weiterverarbeitet.
Bei einigen Farben bleibt die natürliche Wölbung der Oberfläche erhalten. Gleichzeitig werden Materialverhalten und Trocknungsprozesse dokumentiert und als Teil eines langfristig wachsenden Materialarchivs archiviert.

Die längere Herstellungszeit ist das Ergebnis natürlicher Materialprozesse
Eine längere Herstellungsdauer bedeutet nicht lediglich, dass mehr Zeit vergeht.
Sie entsteht dadurch, dass Naturtrocknung, mehrmaliges Nachfüllen, Materialstabilisierung und langfristige Beobachtung Zeit benötigen.
Bei handgemachten Aquarellfarben, die ohne künstliche Beschleunigung trocknen, ist die Herstellungszeit daher Teil der natürlichen Entwicklung des Materials und nicht nur ein Produktionsschritt.

Fazit
Die Herstellungsdauer handgemachter Aquarellfarben kann je nach Materialsystem und Produktionsweise deutlich variieren.
Bei Herstellungsverfahren, die auf Naturtrocknung und langfristige Materialbeobachtung setzen, entsteht die längere Produktionszeit als Ergebnis natürlicher Trocknung, Materialstabilisierung und kontinuierlicher Beobachtung – und bildet damit einen wesentlichen Bestandteil des gesamten Herstellungsprozesses.
