Farbe als Ergebnis von Bedingungen
Bei der Herstellung handgefertigter Pigmente entsteht Farbe stets unter konkreten Bedingungen. Unter der Voraussetzung identischer Rohstoffe, gleicher Mischungsverhältnisse und vergleichbarer Mahlprozesse weisen unterschiedliche Chargen feine, chargenspezifische Unterschiede auf. Diese Unterschiede können sich im Farbton, in der Partikelverteilung, im Sedimentationsverhalten oder in der Ausbreitung und dem Verbleib der Farbe unter dem Einfluss von Wasser zeigen.
Diese Unterschiede sind nicht zufällig, sondern Ausdruck des Materials, das sich unter bestimmten Bedingungen formt. Pigmente entstehen nicht in einem neutralen Raum, sondern entwickeln sich im Zusammenspiel von Zeit, Umgebungsfeuchtigkeit, Materialeigenschaften und Entscheidungen während des Herstellungsprozesses.
Die Arbeitsweise von VHaquarell basiert auf dieser Voraussetzung.
Die Herstellung handgefertigter Pigmente ist kein Vorgang der Wiederholung bereits bestehender Ergebnisse, sondern ein fortlaufender Prozess der Entstehung unter jeweils gegebenen Bedingungen. Mahlzeit, Umgebungsfaktoren, die Eigenschaften der Rohstoffe sowie die Einschätzung des Materialzustands während der Verarbeitung hinterlassen erkennbare Merkmale im fertigen Pigment. Diese Merkmale definieren den konkreten Zustand der Farbe und verleihen jeder Charge einen klar nachvollziehbaren Entstehungskontext.
Nach Abschluss einer Charge bleibt die Farbe in dem Zustand erhalten, den sie zum Zeitpunkt ihrer Fertigstellung erreicht hat. Der Herstellungsprozess ist nicht auf vollständige Gleichförmigkeit ausgerichtet, sondern auf einen stabilen Zustand, der sich unter den jeweiligen Bedingungen einstellt.
In der Anwendung reagieren diese Pigmente auf unterschiedliche Einsatzbedingungen. Derselbe Farbton kann auf verschiedenen Papieren unterschiedliche Absorptionsgeschwindigkeiten, Randverläufe und Ausbreitungsformen zeigen. Veränderungen der Wassermenge beeinflussen zudem die Schichtung und das Sedimentationsverhalten der Farbe. Diese Erscheinungen spiegeln die Wechselwirkung zwischen Material und Trägermedium wider.
Der Text gibt keine Vorgaben zur konkreten Anwendung der Pigmente. Die Art und Weise, wie Farbe erscheint, ergibt sich nicht aus einem einzelnen Faktor, sondern aus dem Zusammenspiel von Material, Werkzeug und Anwendungssituation. Unterschiedliche Bedingungen führen zu unterschiedlichen Erscheinungsformen.
Die Akzeptanz dieser Variabilität bedeutet, den Fokus auf das Verhalten des Materials selbst zu legen, anstatt auf die Wiederholung vorab definierter Ergebnisse. Diese Arbeitsweise ist nicht für jede Anwendungssituation vorgesehen, bildet jedoch für jene, die Materialreaktionen, Prozessbeobachtung und Ergebnisvielfalt schätzen, eine fortlaufende Praxis.
Dies bildet das grundlegende Verständnis von VHaquarell in Bezug auf den Zustand von Farbe: Farbe ist ein Material, das unter konkreten Bedingungen entsteht und wirkt. Ihr Wert liegt in ihrem tatsächlichen Verhalten und in den beobachtbaren Ergebnissen.