Protokoll zum Materialverhalten farbiger Substanzen im Aquarellsystem

In der Natur, im Alltag sowie bei industriellen Erzeugnissen existieren zahlreiche farbige Substanzen. Sie liegen in flüssiger Form, als Pulver, als Granulat oder als hochreflektierende Partikel vor. Die sichtbare Farbe ist eine rein optische Eigenschaft eines Materials. Ein funktionierendes Aquarellsystem umfasst jedoch die farbgebende Substanz, Wasser, das Bindemittel, den Verteilungszustand der Partikel sowie das Erscheinungsbild des getrockneten Farbauftrags auf Papier.

1. Konkrete Beobachtungen verschiedener Materialformen im Aquarellsystem

1. Flüssige Farbstoffe

Flüssigkeiten mit hoher Eigenfarbe – wie etwa hochkonzentrierte Tinte auf Alkoholbasis – hinterlassen nach dem Verdampfen des flüssigen Trägers Farbspuren. Diese getrockneten Farbrückstände verbinden sich nicht dauerhaft mit dem Aquarellbindemittel. Bei weiterem Kontakt mit Wasser verteilen sie sich nicht erneut im Gemisch und bilden keine klassische Aquarellfarbe.

2. Pulver aus Lebensmitteln und Pflanzen

Stoffe wie Milchpulver, Kakaopulver, Getreidemehl, gemahlene Hülsenfrüchte oder pflanzliche Pulver liegen zwar in Pulverform vor und zeigen deutliche Farben.

Werden solche Pulver in ein Aquarellbindemittel eingearbeitet, bleibt die ursprüngliche Struktur der enthaltenen Pflanzenfasern, Stärke- oder Eiweißpartikel erhalten. Nach dem Auftragen auf Papier zeigt sich ein raues Erscheinungsbild aus aufgetragener Pulverstruktur.

3. Industrielle Farbpigmente und Anstrichstoffe

Farbpulver aus der Industrie, die für Kunststoffe, Beschichtungen oder andere gewerbliche Produkte hergestellt wurden, erweisen sich bei der Beigabe zum Aquarellbindemittel als unverträglich. Auf dem Papier behalten die Partikel ihre ursprüngliche Struktur bei und wirken wie Kunststoffreste oder grobes Granulat.

  • Konkrete Versuchsnotiz: Bei Versuchen, Pigmente aus Industrielacken mit Aquarellbindemittel zu verarbeiten, entstand eine zähe, breiige Masse. Das Gemisch zeigte auf dem Papier kein Anlösen und keinen fließenden Farbverlauf.

4. Farbpulver unbekannter Zusammensetzung und feine Metallpartikel

Manche Farbpulver mit unklarer Zusammensetzung zeigen nach dem Mischen mit dem Bindemittel eine extrem hohe Deckkraft, eine raue Haptik auf dem Papier oder Unterbrechungen im Farbauftrag.

Auch sehr feine Partikel mit metallischem Glanz trennen sich im Bindemittel.

  • Konkrete Versuchsnotiz: Beim Rühren und Reiben sehr feiner Metallpigmente mit dem Bindemittel entstand keine gleichmäßige Mischung. Die Metallpartikel schwammen durchgehend an der Oberfläche des Bindemittels.

5. Materialien mit fester, irreversibler Aushärtung

Erhaltend manche Pulver Bindemittel und trocknen anschließend aus, bilden sie extrem harte Blöcke. Diese Verklumpungen weichen bei erneuter Zugabe von Wasser nicht mehr auf und verteilen sich nicht wieder.

  • Konkrete Versuchsnotiz: Während anfänglicher Tests mit verschiedenen Pigmenten bildeten einige Sorten nach dem Trocknen harte Körnchen. Diese harten Partikel blieben im fertigen Bildträger sichtbar erhalten und zeigten nicht die typische Textur von Aquarellfarbe. Solche Stoffe wurden für die weitere Verwendung ausgeschlossen.

6. Chemische Produkte des Alltags

Farbige Reinigungs- oder Waschmittel in flüssiger oder gelartiger Form enthalten Farbe als rein optisches Produktmerkmal. Auf Papier hinterlassen sie lediglich chemische Filme oder feuchte Einsickerungsspuren.

2. Gegenüberstellung des Materialverhaltens

Materialkategorie Beobachtetes Materialverhalten Verhalten im Aquarellsystem
Flüssige Farbstoffe Reste von Alkoholtinten verbinden sich nach dem Verdampfen nicht mit dem Bindemittel. Lösen sich mit Wasser nicht wieder auf; bilden keine Aquarellfarbe.
Lebensmittel- / Pflanzenpulver Behalten die ursprüngliche Faser-, Stärke- oder Eiweißstruktur bei. Erzeugen ein raues, unregelmäßiges Pulverbild auf Papier.
Industrie-Farbpigmente Bilden mit dem Bindemittel eine breiige Masse; bleiben auf Papier körnig. Zeigen keinen Verfließeffekt und kein Anlösen auf Papier.
Feine Metallpartikel Trennen sich trotz Rühren und Reiben vom Bindemittel. Schwimmen dauerhaft an der Oberfläche; mischen sich nicht.
Aushärtende Pulver Trocknen zu harten Blöcken; hinterlassen harte Körnchen im Farbauftrag. Weichen mit Wasser nicht mehr auf; verteilen sich nicht erneut.
Alltagschemikalien Hinterlassen auf dem Papier dünne Filme oder flüssige Sickerflecken. Bilden keine eigenständige, feste Farbschicht.

3. Materialgrenzen und Anwendungsbereich

Ob sich ein farbiger Stoff für das Aquarellsystem eignet, hängt davon ab, ob er sich stabil im Bindemittel verteilt, die passende Partikelstruktur bildet, einen gleichmäßigen Farbauftrag auf Papier ermöglicht, nach dem Trocknen im richtigen Zustand bleibt, sich bei erneutem Wasserkontakt wieder anlösen lässt und letztlich die typischen Eigenschaften von Aquarellfarbe zeigt.

Durch langjährige Testreihen mit unterschiedlichen Pigmentquellen und Farbträgern wurden diejenigen Pigmente ermittelt, die sich dauerhaft und stabil für die Herstellung von Aquarellfarben eignen. Diese Aufzeichnungen dienen der Dokumentation des konkreten Verhaltens verschiedener Substanzen im Aquarellsystem.

Ergänzende Anmerkung: Bild- und Videomaterial zu einzelnen Schritten der manuellen Farbenherstellung sowie zum Verhalten verschiedener Pigmente sind im Archiv von VHacademy hinterlegt (ein unabhängiges Projekt zur Erforschung von Materialverhalten mit kostenpflichtigem Zugang).

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