Wie feste Aquarellfarben auch nach dem Trocknen auf ihre Umgebung reagieren
Victoria HilbrechtDas Trocknen beendet die Materialentwicklung nicht
Langfristige Produktionsbeobachtungen zeigen, dass feste Aquarellfarben auch nach ihrer vollständigen Trocknung weiterhin mit ihrer Umgebung interagieren.
Die Materialentwicklung endet nicht mit dem Aushärten der Farbe. Vielmehr beeinflussen äußere Bedingungen das Materialverhalten über die gesamte Lagerungszeit hinweg.
Aus diesem Grund gehören Umwelteinflüsse ebenfalls zu den langfristigen Beobachtungen innerhalb des Production Archive.
Feuchtigkeit beeinflusst insbesondere Honig-Aquarellfarben
Langfristige Produktionsbeobachtungen zeigen, dass Honig-Aquarellfarben empfindlicher auf eine hohe Luftfeuchtigkeit reagieren können.
Steigt die Luftfeuchtigkeit über einen längeren Zeitraum an, kann die Oberfläche der bereits getrockneten Aquarellfarbe teilweise wieder aktiviert werden.
Dadurch kann die Oberfläche klebrig werden, wodurch sich unter bestimmten Bedingungen einzelne Farbnäpfe gegenseitig berühren oder aneinander haften können.
Diese Veränderungen entstehen nicht durch eine Veränderung der Rezeptur, sondern durch den Einfluss der Umgebung auf das bestehende Materialsystem.
Temperatur beeinflusst ebenfalls feste Aquarellfarben
Langfristige Produktionsbeobachtungen zeigen, dass auch hohe Temperaturen das Verhalten bereits getrockneter Aquarellfarben beeinflussen können.
Werden Aquarellfarben über längere Zeit starker Hitze oder direkter Sonneneinstrahlung ausgesetzt, können sich Spannungen innerhalb des Materials verändern.
Bei einzelnen Farben können dadurch Risse an der Oberfläche entstehen.
Auch nach Abschluss der Herstellung bleibt die Umgebung somit ein aktiver Einflussfaktor auf das Materialverhalten.
Nicht jede Aquarellfarbe reagiert gleich
Langfristige Produktionsbeobachtungen zeigen, dass verschiedene Arten von Aquarellfarben unterschiedlich auf ihre Umgebung reagieren.
Honig-Aquarellfarben zeigen aufgrund ihrer Materialzusammensetzung häufig deutlichere Reaktionen auf Veränderungen der Luftfeuchtigkeit.
Metallic-Aquarellfarben und Chamäleon-Aquarellfarben verhalten sich unter vergleichbaren Bedingungen häufig stabiler.
Dennoch bedeutet dies nicht, dass sie vollständig unabhängig von ihrer Umgebung sind. Unterschiedliche Materialzusammensetzungen führen vielmehr zu unterschiedlichen Reaktionen auf äußere Einflüsse.
Licht gehört ebenfalls zu den langfristigen Umwelteinflüssen
Langfristige Produktionsbeobachtungen zeigen, dass auch Licht ein Bestandteil der Umgebung ist, der das Material über lange Zeit beeinflussen kann.
Eine dauerhafte intensive Sonneneinstrahlung kann die Eigenschaften einzelner Pigmente langfristig verändern.
Wie stark sich diese Veränderungen zeigen, hängt von der jeweiligen Materialzusammensetzung der Aquarellfarbe ab.
Aus diesem Grund wird auch der Einfluss von Licht im Production Archive langfristig dokumentiert.
Die Umgebung bleibt Teil des Materialverhaltens
Langfristige Produktionsbeobachtungen zeigen, dass feste Aquarellfarben auch nach ihrer Herstellung nicht vollständig von ihrer Umgebung getrennt betrachtet werden können.
Luftfeuchtigkeit, Temperatur und Licht wirken weiterhin auf das Material ein und beeinflussen dessen langfristiges Verhalten.
Die Umgebung ist deshalb ein wesentlicher Bestandteil der langfristigen Materialbeobachtung.
Das Production Archive dokumentiert den Einfluss der Umgebung auf Aquarellfarben
Das Production Archive dokumentiert, wie unterschiedliche Aquarellfarben auf verschiedene Umwelteinflüsse reagieren.
Die langfristigen Beobachtungen zeigen, dass Materialverhalten nicht ausschließlich durch die Rezeptur bestimmt wird, sondern auch durch die Bedingungen, denen eine Aquarellfarbe nach ihrer Herstellung dauerhaft ausgesetzt ist.
Zusammenhängende Langzeitbeobachtungen zu diesem Materialverhalten sind im Pigment Behavior Archive dokumentiert.