Warum unterschiedliche Pigmente als Aquarellfarben ähnlich wirken können

Victoria Hilbrecht

Das Aussehen eines Pigments entspricht nicht immer dem späteren Farbeindruck

Pigmente lassen sich im trockenen Zustand häufig deutlich voneinander unterscheiden.

Bereits als Pulver zeigen viele Pigmente Unterschiede in Farbton, Helligkeit oder Farbtemperatur. Manche wirken kräftiger, andere dunkler oder wärmer. Der direkte Vergleich trockener Pigmente vermittelt deshalb oft den Eindruck klar voneinander abgegrenzter Farben.

Dieser Eindruck bleibt jedoch nicht in jedem Fall bis zum fertigen Farbauftrag erhalten.

Vergleich von Pigmenten vor und nach der Verarbeitung zu Aquarellfarben

Mit der Herstellung verändert sich der Farbeindruck

Nach dem Vermischen mit dem Bindemittel beginnt ein neuer Beobachtungsabschnitt.

Aus dem trockenen Pigment entsteht eine gebrauchsfertige Aquarellfarbe, deren Erscheinungsbild sich vom ursprünglichen Pulver unterscheiden kann. Erst nach dem Farbauftrag auf Papier zeigt sich, wie die Farbe unter den Bedingungen des Malens wahrgenommen wird.

Dadurch verändert sich häufig auch die Beziehung zwischen verschiedenen Farben.

Vergleich von Pigmenten vor und nach der Verarbeitung zu Aquarellfarben

Deutliche Unterschiede können geringer werden

Zwei Pigmente, die sich als Pulver deutlich unterscheiden, können nach dem Malen überraschend ähnlich erscheinen.

Obwohl ihre Ausgangsfarben klar voneinander abweichen, nähern sich ihre Farbeindrücke auf Papier teilweise stark an. Die Unterschiede bleiben zwar erhalten, fallen jedoch häufig deutlich geringer aus als im trockenen Zustand.

Die Wahrnehmung einer Farbe verändert sich dadurch gemeinsam mit ihrem Materialzustand.

Handgefertigte Aquarellfarben aus unterschiedlichen Pigmenten

Der Vergleich endet nicht beim Pigment

Die Beobachtung einer Farbe beschränkt sich nicht auf das Ausgangsmaterial.

Erst der Vergleich zwischen Pigmentpulver, fertiger Aquarellfarbe und Farbauftrag auf Papier zeigt, wie sich dieselbe Farbe während ihres gesamten Entstehungsprozesses entwickelt. Jede dieser Phasen ergänzt die Dokumentation um weitere Beobachtungen.

Dadurch entsteht ein umfassenderes Bild der Farbe als durch die Betrachtung einer einzelnen Erscheinungsform.

Beobachtung ähnlicher Farbtöne aus unterschiedlichen Pigmenten

Ähnliche Farben können auf unterschiedlichen Pigmenten beruhen

Ein ähnlicher Farbeindruck bedeutet nicht zwangsläufig, dass zwei Farben auf demselben Pigment basieren.

Unterschiedliche Pigmente können im fertigen Farbauftrag überraschend nahe beieinander liegen, obwohl sie sich als Pulver deutlich unterscheiden. Gleichzeitig können scheinbar ähnliche Pigmente nach dem Malen wieder größere Unterschiede zeigen.

Die Beziehung zwischen Farben bleibt deshalb Gegenstand fortlaufender Beobachtung.

Vergleich von Pigmenten vor und nach der Verarbeitung zu Aquarellfarben

Farbbeziehungen verändern sich mit jedem Beobachtungsschritt

Die Dokumentation von Farben endet nicht mit der Herstellung einer Aquarellfarbe.

Jeder neue Vergleich erweitert das Verständnis bereits dokumentierter Farben und ergänzt das Farbarchiv um weitere Zusammenhänge. Unterschiede zwischen Pigmenten können je nach Beobachtungszustand stärker oder schwächer in Erscheinung treten.

Farbdokumentation beschreibt deshalb nicht nur einzelne Farben, sondern auch die Veränderungen ihrer Beziehungen während verschiedener Beobachtungsphasen.

Unterschiedlicher Pigmentursprung mit ähnlicher Farbwirkung
Die in diesem Beitrag beschriebenen Materialbeobachtungen stehen im Zusammenhang mit langfristigen Aufzeichnungen, die im Pigment Behavior Archive dokumentiert sind.
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