Warum setzen sich einige Pigmente in Honig-Aquarellfarben während der Herstellung ab?
Victoria HilbrechtDie Sedimentation einzelner Pigmente gehört zum Materialverhalten bestimmter Farben
Während der langfristigen Herstellung handgefertigter Honig-Aquarellfarben lässt sich beobachten, dass sich bei einigen Farben einzelne Pigmente allmählich am Boden des Mischbehälters absetzen.
Langfristige Materialbeobachtungen zeigen, dass dieses Verhalten nicht als deutliche Trennung zwischen Bindemittel und Pigment auftritt. Stattdessen sedimentiert ein Teil der Pigmentpartikel, während das übrige Material weiterhin weitgehend gleichmäßig verteilt bleibt.
Diese Erscheinung wird nicht bei allen Farben beobachtet und gehört zu den materialabhängigen Eigenschaften bestimmter Pigmentsysteme.
Nicht alle Farben zeigen dasselbe Verhalten
Langfristige Beobachtungen zeigen deutliche Unterschiede zwischen den einzelnen Farben.
Einige Pigmente besitzen eine höhere Dichte oder größere Partikel und neigen deshalb stärker dazu, sich während der Ruhephase langsam am Boden des Behälters abzusetzen.
Andere Farben bleiben dagegen auch nach längerer Standzeit weitgehend gleichmäßig verteilt und zeigen keine deutlich ausgeprägte Sedimentation.
Die Materialentwicklung kann sich daher von Farbe zu Farbe unterscheiden.
Am Behälterboden können feste Pigmentablagerungen entstehen
Mit zunehmender Standzeit sammeln sich die sedimentierten Pigmente im unteren Bereich des Behälters.
Langfristige Materialbeobachtungen zeigen, dass sich diese Ablagerungen teilweise zu einer relativ festen, kompakten Masse verdichten können.
Dabei handelt es sich um lokale Pigmentablagerungen und nicht um eine vollständige Schichtung des gesamten Materials.
Regelmäßiges Homogenisieren unterstützt eine gleichmäßige Materialverteilung
Da sich einzelne Pigmente mit der Zeit absetzen können, wird das Material während der Herstellung regelmäßig erneut homogenisiert.
Dadurch werden die sedimentierten Pigmente wieder gleichmäßig im gesamten Material verteilt, sodass beim Abfüllen eine möglichst gleichmäßige Pigmentverteilung erhalten bleibt.
Langfristige Beobachtungen zeigen, dass dieses erneute Mischen in erster Linie der gleichmäßigen Materialverteilung dient und nicht darauf zurückzuführen ist, dass das Material seine Eigenschaften verloren hat.
Während der Trocknung wurde dieses Verhalten bislang nicht allgemein beobachtet
Im Unterschied zu einigen Metallic- oder Chamäleon-Aquarellfarben wurde bei handgefertigten Honig-Aquarellfarben bislang nicht allgemein beobachtet, dass sich die Sedimentation nach dem Abfüllen während der natürlichen Trocknung deutlich fortsetzt.
Da pro Füllvorgang nur vergleichsweise kleine Materialmengen verarbeitet werden, geht das Material in der Regel rasch in die Trocknungsphase über.
Nach den bisherigen langfristigen Materialbeobachtungen konnte daher kein vergleichbares Sedimentationsverhalten während der Trocknung allgemein festgestellt werden.
Die Sedimentation einzelner Pigmente ist Teil langfristiger Materialbeobachtungen
Die Sedimentation einzelner Pigmente gehört zu den Materialphänomenen, die bei bestimmten Farben handgefertigter Honig-Aquarellfarben langfristig beobachtet werden können.
Bislang wurde nicht allgemein festgestellt, dass diese vorübergehende Sedimentation während der flüssigen Phase die spätere Verwendbarkeit der vollständig getrockneten Farbe beeinträchtigt.
Die kontinuierliche Dokumentation solcher Unterschiede trägt dazu bei, die Entwicklung verschiedener Pigmentsysteme innerhalb handgefertigter Honig-Aquarellfarben besser zu verstehen und langfristig zu dokumentieren.
Zusammenhängende Langzeitbeobachtungen zu diesem Materialverhalten sind im Pigment Behavior Archive dokumentiert.